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Projekte › Integration durch Bildung

Stille Reserven für die Wirtschaft nutzen

Ausgangssituation – Um was geht es?

Verschiedene Untersuchungen wie z. B. die Pisa-Studie, die des Bundesinstituts für Berufsbildung, die des Beratungsunternehmens McKinsey sowie eine Aktuelle der Bertelsmann Stiftung kommen zu folgenden Ergebnissen:

  1. Kinder und Jugendliche mit Migrationshintergrund müssen frühzeitig, differenziert und kontinuierlich gefördert werden. Dieses wird vor dem Hintergrund der demographischen Entwicklung in Deutschland immer bedeutsamer.
  2. Die unzureichende Integration von Zuwanderern kostet den deutschen Staat durch Mindereinnahmen von Einkommensteuern und Sozialbeiträgen jährlich 16. Mrd. Euro.
  3. Durch die demographische Entwicklung werden in Deutschland im Jahr 2020 bis zu 6 Mio. Arbeitskräfte fehlen und zwar nicht nur Hochqualifizierte.
  4. Gute Chancen in der Bildung und auf dem Arbeitsmarkt sind die entscheidenden Faktoren für eine gelungene Integration.



Durch den jetzt schon vorhandenen Fachkräftemangel suchen viele deutsche Unternehmen ihre Mitarbeiter im Ausland. Voraussetzung für die Einstellung ist für viele Unternehmen häufig neben einer guten Ausbildung auch die Kenntnis von Fremdsprachen.

Gleichzeitig sind viele Jugendliche mit Migrationshintergrund, hauptsächlich türkischer Herkunft, die in Deutschland leben, ohne jegliche Zukunftsperspektive. Ein hoher Prozentsatz besucht nur Hauptschulen und Sonderschulen und hat somit später kaum Chancen auf dem Arbeitsmarkt, denn nach EU-Kriterien gilt der Sekundarabschluss als Mindestqualifikation für den Erfolg am Arbeitsmarkt in einer modernen Dienstleistungsgesellschaft. Die Verwaltung als Hartz IV-Fall droht.

Von je 100 türkischen Schülern in Heilbronn besuchten z. B. im Schuljahr 2006/2007
56,6% eine Hauptschule, 21,2% eine Realschule
12,1% eine Sonderschule und nur 9,75% ein Gymnasium (Anlage 1).

Die bestehenden Bildungs- und Integrationsangebote konnten bisher die Situation der türkischen Migranten in Deutschland nicht merklich verbessern (Anlage 2).

Es ist unter diesen Bedingungen daher notwendig, im Sinne von ,,Return of Social Investment“ gezielt in effektivere und effizientere Maßnahmen zur Förderung und Qualifizierung dieser Kinder und Jugendlichen zu investieren.

Das Konzept (Projektziele, Zielgruppen und Projektnutzen)

Der Turkish Round Table Club (TRTC) hat das Ziel, zukünftig die Quote der Kinder und Jugendlichen mit türkischem Migrationshintergrund in Realschulen und Gymnasien, zumindestens in der Region Heilbronn-Franken, zu erhöhen, indem er sich folgende Ziele gibt:

  • Zielgruppenspezifische und bilinguale Aufklärung der Eltern von Personen aus dem eigenen Kulturkreis u. a. über die Möglichkeiten einer höher qualifizierten Ausbildung für ihre Kinder, die Bedeutung der Beherrschung der deutschen Sprache aber vor allem über die Unterstützungsmöglichkeiten der Eltern für ihre Kinder im deutschen Schulsystem.Beispielsweise werden die Eltern über die unterschiedliche Wertigkeit der verschiedenen Schulabschlüsse, insbesondere die des Realschul- und Fachhochschulabschlusses, die es in dieser Begrifflichkeit nur in Deutschland gibt, aufgeklärt.
  • Zielgruppenspezifische und bilinguale Aufklärung der Jugendlichen von Personen aus dem eigenen Kulturkreis u.a. mit dem Ziel, zum Lernen zu motivieren. Die Vorbildfunktion von Personen, die auf dem Arbeitsmarkt erfolgreich sind, spielt hier eine große Rolle.
  • Die Hauptzielgruppe sind aber Schüler/innen türkischer Herkunft in den 3. und 4. Grundschulklassen. Durch erforderliche Individualförderung sollen für diese Schüler die Bildungs- und Berufschancen erhöht werden. Dabei erhalten die Kinder Unterricht vor allem in den Fächern Deutsch und Mathematik. Durch außerschulische begleitende Maßnahmen (z.B. Berücksichtigung des individuellen Lernens, Umgang mit Prüfungen, gemeinsame Besuche von kulturellen Veranstaltungen, Ausstellungen, Museen etc.) werden auch soziale und kulturelle Kompetenzen der Schüler/innen gefördert.

Gerade in der Region Heilbronn-Franken arbeitet man immer mehr in multikulturellen Unternehmen und mit Geschäftspartnern aus unterschiedlichen Ländern und Kulturen zusammen. Daher müssen auch Mitarbeiter/innen interkulturelle Fähigkeiten mitbringen. In einem globalisierten Wirtschaftsystem muss die kulturelle Vielfalt eines Unternehmens als Potential stärker genutzt werden. Dies bedeutet in der Konsequenz für die Unternehmen eine Gewinnmaximierung.

Die Jugendlichen mit Migrationshintergrund haben diese Potenziale, denn sie verfügen neben ihrer Mehrsprachigkeit auch über interkulturelle Kompetenzen. Sie haben gelernt in verschiedenen Kulturen zu leben, nutzen sie und integrieren sie in ihren Alltag. Gerade dies ist eine Fähigkeit, die angesichts der immer größeren Internationalisierung und Globalisierung von Wirtschaft und Gesellschaft eine bedeutende Chance auf dem Arbeitsmarkt darstellt.

Die Jugendlichen sind aber durch ihre schulischen und sozialen Erfahrungen in der Regel so negativ geprägt, dass sie ihre nicht-deutsche Herkunft als Mangel empfinden und dadurch ihre Chancen nicht erkennen.
TRTC versucht unter anderem als Vorbilder zu fungieren und damit die Sichtweise der türkischen Jugendlichen zu schärfen, dass ihre bikulturellen Kompetenzen von Wichtigkeit für deren berufliche Zukunft sind.

Bislang wurde dieses Potential weder von den Jugendlichen selber noch von der hiesigen Wirtschaft erkannt. Das Ziel des TRTC mit ihrem Projekt ,,Integration durch Bildung - Stille Reserven für die Wirtschaft nutzen“ ist daher auch, durch Ausbildung und Qualifizierung der türkischen Jugendlichen diese Potentiale zu entdecken, zu nutzen, anzuerkennen und somit eine erfolgreiche Integration zu ermöglichen.

Projektbeschreibung, Maßnahmenplan (s. auch Zeitplan)

Als erster Schritt führt der TRTC Informationsabende für die türkischen Eltern in Kindergärten durch. Durch die bilinguale Moderation der TRTC-Mitglieder an diesen Abenden werden die sprachlichen und kulturellen Barrieren besser überschritten. Dies führt zur einer effektiveren Aufklärung der Eltern über die o. g. Punkte und zu einer vertrauensvolleren Verständigung zwischen Erzieher/innen und Eltern.

Die Veranstaltungen sind eine geeignete Plattform, die Eltern „abzuholen“, die zahlreichen Partizipationsmöglichkeiten vorzustellen und gleichzeitig die Eltern aktiv einzubinden.

Als zweiter Schritt wird diese Aufklärungsarbeit der TRTC-Mitglieder in den Elternabenden für die türkischen Eltern der 2. Grundschulklassen weitergeführt. An diesen Abenden wird zusätzlich über die Besonderheit der 3. und 4. Klasse und über die Wichtigkeit der Schulempfehlung gesprochen und darüber aufgeklärt. Ab der 3. Klasse beginnt der TRTC mit seiner Individual-Förderung von Kindern.

Dritter Schritt: Erfahrungsgemäß haben Eltern mit Migrationshintergrund aus verschiedenen Gründen nicht die Möglichkeit, die Hausaufgabenbetreuung ihrer Kinder ausreichend begleiten zu können. Ab der 3. Klasse werden daher förderfähige türkische Schulkinder auf Empfehlung ihres Klassenlehrers oder ihrer -lehrerin individuell und intensiv ergänzend zum regulären Unterricht geschult.

  • Die Zusatzschulungen (2 Stunden pro Woche) finden in den Klassenräumen der Schulen statt und erfolgen durch die von der Schule benannten Lehrkräfte. Die Finanzierung mit max. 25 € /Std pro Gruppe erfolgt durch den TRTC.
  • Um den gewünschten Erfolg zu erzielen, findet dieser Zusatzunterricht in kleinen Gruppen mit max. 5 Kindern statt. Qualitativ gute und motivierte Lehrkräfte sowie ein angenehmes Umfeld tragen zum Erfolg für die Schüler/innen bei.
  • Alle 3 Monate erfolgt eine Evaluation in Form von Gesprächen mit den Klassenlehrern/innen, den Eltern und den Nachhilfelehrern/innen, um die Leistungen von Schülern/innen und Lehrkräften gleichermaßen zu beurteilen.
  • Ein weiterer Indikator für den Erfolg sind die Noten in den Arbeiten und im Zeugnis.

Ziel dieser individuellen Betreuung ist, die Anzahl der Grundschulempfehlungen für die Realschule und das Gymnasium deutlich ze erhöhen. Langfristig wird die Empfehlungsuote für die weiterführenden Schulen der wichtigste Indikator für den Erfolg des Projektes werden.

In einer vierten Maßnahme fungieren die Mitglieder der TRTC als Vorbilder für die türkischen Jugendlichen. Dazu besuchen sie die Schulklassen - es werden türkische Schüler aus mehreren Klassen zusammengefasst - und erzählen über ihren eigenen Werdegang in Deutschland.

Der TRTC arbeitet intensiv mit den Schulen und Kindergärten der Stadt Heilbronn zusammen und erarbeitet gemeinsam Maßnahmen für die aktive Einbindung und Platzierung der Eltern im Schulsystem.
Die Informationsabende werden gemeinsam mit den Pädagogen und TRTC moderiert, wobei TRTC mehr als dolmetscht, indem sie die unterschiedlichen kulturellen Auffassungen zusammenbringt, Verbindungen aufzeigt und ganz gezielt in den Diskussionen Perspektiven aufzeigt.

TRTC strebt ebenfalls eine enge Zusammenarbeit mit den Unternehmen sowie der Handwerks- und Industrie- und Handelskammer in Heilbronn an, um den geförderten Jugendlichen bessere Chancen auf dem Arbeitsmarkt vermitteln zu können.

Zeitplan


Der TRTC ist seit Anfang 2007 im Bereich der Bildungsförderung aktiv. Nach den ersten Gesprächen im Frühjahr mit der Stadt Heilbronn (Bürgermeisteramt, Schul-, Kultur- und Sportamt und Amt für Familie, Jugend und Senioren) folgten Elternabende in den verschiedenen Grundschulen, in denen die türkischen Eltern und die Lehrerschaft über das Projekt aufgeklärt wurden.

Die erste Gruppe mit 5 Schülern/innen aus der 3. Klasse der Gerhart-Hauptmann-Schule wird seit Mai 2008 gefördert. Mit der Förderung weiterer Gruppen aus der Gerhart-Hauptmann-, Rosenau- und Albrecht-Dürer-Schule wird ab Oktober 2008 begonnen. Die weiteren Schritte werden wie in der Anlage 3 beschrieben unternommen.

Die Nachhaltigkeit des Projekts soll u.A durch folgende Maßnahmen gewährleistet werden:


  • Ständige Begleitung durch TRTC
  • Fortsetzung des Projektes auch nach 2010
  • Dokumentation auf unserer Homepage www.trtc.eu
  • Monitoring der Statistiken und Information der breiten Öffentlichkeit
  • Weiterer Ausbau des Projektes durch Ausweitung der Elternarbeit und der Individualförderung für Schüler in weiterführenden Schulen bzw. möglichst flächendeckendes Angebot an Zusatzunterricht
  • Weitergabe der Erfahrungen an die Stabsstelle Integration der Stadt Heilbronn um aufbauend auf diesen Erfahrungen weitere Projekte flächendeckend zu initiieren

Pakt Zukunft

Das Projekt "Integration durch Bildung" wurde von "Pakt Zukunft" und der Bertelsmann Stiftung ausgezeichnet. Der Turkish Round Table Club (TRTC) unterstützt die Pflege und Förderung der deutsch-türkischen Beziehungen und setzt sich verstärkt für die bessere Bildung der türkischen Jugendlichen ein.


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Der TRTC wurde für sein außergewöhnliches gesellschaftliches Engagement von der Bertelsmann Stiftung ausgezeichnet! Unter 1000 bundesweiten Bewerbungen konnte sich der TRTC, zusammen mit acht weiteren Programmen, durchgesetzt. "Integration durch Bildung" ist das Motto, der Antrieb und das definierte Ziel des TRTC.
 

Der TRTC wurde für sein außergewöhnliches gesellschaftliches Engagement von der Bertelsmann Stiftung ausgezeichnet! Unter 1000 bundesweiten Bewerbungen konnte sich der TRTC, zusammen mit acht weiteren Programmen, durchgesetzt. "Integration durch Bildung" ist das Motto, der Antrieb und das definierte Ziel des TRTC.